Frau sitzt in einem eleganten Restaurant und nippt an einem Glas Rotwein, nachdenklicher Moment – Symbolbild für den Rückfall beim Versuch, mit dem Trinken aufzuhören

  • 22. Aug

Wie höre ich auf Wein zu trinken (wenn es bisher nicht funktioniert hat)

Du kennst deine Trigger, hast schon vieles ausprobiert – und trinkst trotzdem wieder. Erfahre, warum Wissen allein dein automatisches Trinkverhalten nicht erreicht, wie du in den entscheidenden Momenten wirklich aufhörst und warum ein Rückfall dich nicht wieder bei null anfangen lässt.

Du hast Bücher gelesen. Podcasts gehört. Vielleicht sogar schon ein Programm gebucht. Du kennst deine Trigger inzwischen in- und auswendig – der stressige Feierabend, der Streit mit deinem Partner, der Termindruck, der Moment, in dem deine Kolleginnen beim Afterwork entspannt trinken können und du nicht. Du weißt theoretisch genau, was du tun solltest, wenn der Wunsch nach einem Glas eisgekühltem Grauburgunder in dir hochkommt.

Und tatsächlich: In Gesellschaft gelingt es dir mittlerweile erstaunlich gut, dir nicht einfach genüsslich ein Glas Weißwein einzuflößen (bei dem es nie blieb). Du weißt, dass es dort nicht geht, also tust du es auch nicht.

Aber nicht um 19:45 Uhr. Nicht, wenn du nach einem stressigen Tag oder einem Streit mit deinem Ehemann innerlich total am Limit auf deiner Couch sitzt. Dann gelingt es dir nicht. Dann staut sich der Druck so sehr in dir auf, dass du gefühlt gar nicht mehr anders kannst, als zu trinken. Auch wenn du schon alles versucht hast, um genau das zu verhindern.

Trotzdem: Du trinkst wieder.

Frau sitzt in einem eleganten Restaurant und nippt an einem Glas Rotwein – Symbolbild dazu, warum es so schwerfällt, mit dem Trinken aufzuhören, obwohl man es sich vornimmt

Zum eigentlichen Trinken kommt dann noch etwas Zweites hinzu, das oft viel schwerer wiegt als das Trinken selbst: die krasse Enttäuschung über dich selbst. Du schämst dich. Du fühlst dich schuldig. Du bist so unendlich erschöpft, dass du kaum noch daran glaubst, dass es für dich überhaupt noch funktionieren kann, weniger zu trinken oder ganz damit aufzuhören. Und dieser Gedanke macht dir mittlerweile ziemlich große Angst. Du wälzt ihn nächtelang in deinem Kopf hin und her und sagst dir: Ich habe doch inzwischen so viel verstanden und ausprobiert, um mein Trinken endlich in den Griff zu bekommen. Warum reicht das einfach nicht?

Warum schaffe ich es nicht aufzuhören zu trinken, obwohl ich es will?

Vielleicht erkennst du dich in mehr als einem dieser Punkte wieder: Du kannst dir selbst genau erklären, warum du getrunken hast – nachträglich, mit vollkommener Klarheit. Im Moment selbst war davon nichts zu spüren. Du hast dir vorher fest vorgenommen, dass es diesmal anders sein wird, dass du vorbereitet bist. Und trotzdem war der erste Schluck Rosé schon getrunken, bevor du den Gedanken überhaupt zu Ende gedacht hast. Nach jedem Rückfall beginnst du dasselbe Prozedere: noch ein weiteres Buch, noch eine Podcastfolge, noch eine neue Strategie – in der Hoffnung, dass die nächste Information dir endlich den "Magic Trick" offenbart, mit dem es einfach total leicht für dich funktionieren wird. Du fühlst dich nicht nur wie eine Mogelpackung, wenn du wieder trinkst. Nein, du fühlst dich so, als müsstest du immer wieder von vorne anfangen, als hätten die alkoholfreien Wochen oder Monate davor nie stattgefunden.

"Ich muss mich einfach noch mehr anstrengen, um mit dem Trinken aufzuhören."

Das ist die naheliegendste Erklärung, nachdem du dir wieder einen Drink gegönnt hast. Du glaubst, du hast noch nicht genug Informationen über das Thema gesammelt. Du denkst, du hast etwas noch nicht richtig und bis ins letzte Detail verstanden, noch nicht die richtige Strategie gefunden, du hast dich noch nicht genügend angestrengt. Also folgt der nächste Podcast. Das nächste Buch. Das nächste Programm.

Ich jedoch bin mir ziemlich sicher: Du weißt mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit schon ziemlich viel über dein Trinken. Es geht nicht um das "Warum", sondern um das "Wie". Wie schaffst du es, all dein Wissen auch in dem entscheidenden Moment umzusetzen und darauf zugreifen zu können?

Dein Verhalten wird von zwei unterschiedlichen Systemen gesteuert. Das eine ist das reflektierende System: bewusst, langsam, rational. Hier sitzt dein gesamtes Wissen über Trigger und Strategien – alles, was du dir mühsam angelesen hast. Das andere ist das automatische System: schnell, unbewusst, emotional gesteuert. Es reagiert auf Reize, bevor dein reflektierendes System überhaupt mitbekommt, dass gerade etwas passiert.

Bei Menschen, die über längere Zeit regelmäßig getrunken haben, ist genau dieses automatische System besonders stark trainiert – während das reflektierende System ausgerechnet in den kritischen Momenten am schwächsten ist: nach einem stressigen Tag, wenn du total erschöpft nach Hause kommst, der Haushalt noch auf dich wartet und du dir eigentlich nichts sehnlicher wünschst, als um 19:45 Uhr in deiner Couch zu versinken. Wenn früher genau in diesem Moment Pinot Grigio dein bester Freund war, dann hat sich das in deinem System verankert. Dieses Ungleichgewicht ist einer der zentralen Mechanismen hinter deinem Trinken – unabhängig davon, wie viel du darüber weißt.

Dein Wissen ist also nicht wertlos. Du kannst es nur in dem einen Moment, in dem es darauf ankäme, nicht abrufen. Der Wunsch zu trinken und das Trinken selbst laufen gefühlt automatisch ab, schneller, als dein bewusstes System eingreifen kann. Noch mehr Fachwissen löst dieses Problem nicht – weil es genau das System anspricht, das im entscheidenden Moment gar nicht am Steuer sitzt.

Wie schaffst du es dann, mit dem Trinken aufzuhören?

Ich möchte dir dazu etwas aus meiner eigenen Geschichte erzählen, weil es genau diesen Punkt sehr gut zeigt.

Ich hatte Glück im Unglück: Ich war ein halbes Jahr in einer Klinik und habe dort eine tiefenpsychologische Therapie gemacht. Das bedeutete, ich konnte mich ein halbes Jahr lang komplett aus meinem Alltag herausziehen und mich ausschließlich um mich selbst kümmern. Im Nachhinein betrachtet war das ein riesiger Luxus, auch wenn es sich am Anfang überhaupt nicht so angefühlt hat. Ich bin mir heute sicher: Genau das hat mir geholfen, langfristig stabil zu bleiben.

Dafür gibt es auch eine Erklärung. Gewohnheiten – und genau das ist Alkoholkonsum nach Jahren irgendwann – werden nicht nur durch Willenskraft gesteuert, sondern maßgeblich durch den Kontext ausgelöst: bestimmte Orte, Uhrzeiten, Menschen, Emotionen, Routinen. Die Verhaltensforschung zu Gewohnheiten zeigt, dass genau diese Kontextreize automatisches Verhalten reaktivieren können – manchmal sogar nach Monaten oder Jahren der Abstinenz, sobald man in dieselbe Umgebung zurückkehrt.

Das ist einer der Gründe, warum ein zeitweiliger, bewusster Ausstieg aus dem gewohnten Umfeld – sei es eine Klinik, ein Retreat oder eine andere Form von geschütztem Raum – oft wirksamer ist, als noch mehr Wissen im gewohnten Alltag anzuhäufen. Es geht nicht darum, dass dort ein Geheimnis gelüftet wird, das du vorher nicht kanntest. Es geht darum, dass die ständige automatische Reizung durch dein gewohntes Umfeld für eine Weile unterbrochen wird – und du in dieser Zeit neue, gesunde Automatismen aufbauen kannst, die stabil genug sind, um später auch im alten Kontext zu bestehen.

Das heißt aber nicht, dass du dein Umfeld verlassen musst, um etwas zu verändern. Für die meisten Frauen, mit denen ich arbeite, ist ein halbes Jahr Klinikaufenthalt weder realistisch noch notwendig – sie haben einen Job, eine Familie, ein Leben, das weiterläuft. Was aber bleibt: Der gewohnte Kontext ändert sich nicht von allein, nur weil du es dir vornimmst. Die Couch bleibt dieselbe Couch. Der Wunsch zu trinken tritt zur selben Uhrzeit auf. Und ohne aktive Veränderung bleiben auch die Automatismen, die an genau diesen Kontext gekoppelt sind, einfach bestehen.

Genau deshalb arbeite ich in der Einzelbegleitung anders, als du es vielleicht von einem Kurs oder Buch kennst: Wir stehen in echtem Kontakt miteinander – nicht nur einmal die Woche in einem Gespräch, sondern genau dann, wenn es darauf ankommt. Wenn du spürst, wie der Automatismus einsetzt, wenn der Druck sich aufbaut wie an diesem einen Donnerstagabend, meldest du dich bei mir. In genau diesem Moment, nicht danach, nicht in der nächsten Sitzung. Und dann gehen wir gemeinsam durch die Situation: Was genau passiert gerade in dir? Welcher Reiz hat das ausgelöst? Was würde dein automatisches System jetzt am liebsten tun – und was könntest du stattdessen tun, während der Impuls noch da ist? Wir überbrücken diesen einen kritischen Moment gemeinsam, in Echtzeit, so lange, bis er von selbst abklingt.

Das ist der eigentliche Kern der Arbeit: nicht die Theorie selbst, sondern die Veränderung genau im entscheidenden Moment. Mit jedem Mal, das du diesen Moment anders durchlebst, machst du die Erfahrung, dass du etwas verändern kannst, und das stärkt langfristig dein Selbstvertrauen. Du musst dafür nicht deine Wohnung, deine Stadt oder dein komplettes Leben verlassen. Du brauchst nur jemanden, der dir genau in diesem Moment zeigen kann, dass du eine andere Entscheidung für dich treffen kannst.

Das sagt meine Klientin Sophie nach der Begleitung:

Liebe Vlada, ich danke dir für deine Begleitung in mein nüchternes Leben. Durch dein 1-zu-1-Mentoring habe ich gelernt, auf meine Schwachstellen zu schauen und mit ihnen umzugehen. Ich habe gelernt, dass Abstinenz nicht immer eine rosa Wolke ist, sondern zum Teil harte Arbeit – die sich aber sowas von lohnt. Denn das Gefühl, frei, gesund, stark, unabhängig und körperlich und geistig immer und überall voll da zu sein, ist so unbeschreiblich schön und jeden anstrengenden Moment wert. Danke, dass du mich durch diese Phasen geleitet hast.

Frau läuft durch die Innenstadt – Symbolbild für den Alltag zwischen Trigger-Situationen und dem Wunsch, weniger Alkohol zu trinken

Rückfall nach dem Aufhören: Du fängst nicht wieder bei Tag 1 an

Wenn du bereits mehrere Anläufe hinter dir hast, möchte ich dir noch etwas mitgeben, das die meisten Frauen erleichtert: Ein Rückfall bedeutet nicht, dass du wieder bei null anfängst.

Das sage ich immer wieder, weil so viele Frauen darüber enttäuscht sind, dass sie immer wieder bei Tag 1 anfangen müssen, wenn sie wieder trinken. Und damit schwindet das Vertrauen in sich selbst. Das stellt keine Motivation dar, sondern baut Druck auf. Vergiss das Tagezählen einfach komplett, wenn es dir nicht hilft. Ich habe nie meine nüchternen Tage gezählt. Ich habe die Zeiträume grob überschlagen, aber es war nie meine Hauptmotivation. Meine Hauptmotivation bestand darin, mich jeden Tag ein bisschen besser zu verstehen und besser mit mir umzugehen. Ein Rückfall ist kein Nullpunkt. Er ist eine Zwischenstation.

Wenn ich morgen aus irgendwelchen Gründen wieder trinken sollte, dann sind meine fast neun Jahre Nüchternheit ja nicht plötzlich verschwunden – und all mein Wissen darüber nicht ausgelöscht. Es wäre ein Datenpunkt, der mir zeigt: Irgendetwas muss mich davor so gestresst oder aus der Bahn geworfen haben, dass ich keine andere Möglichkeit mehr gesehen habe, anders zu handeln. That's it. Und dann würde ich damit arbeiten. Was genau ist passiert? Was hat dazu geführt? Wie habe ich mich gefühlt? Und was kann ich daraus lernen?

Verhaltensänderung, bei Alkohol genau wie bei jeder anderen tiefgreifenden Veränderung, verläuft nachweislich fast nie linear. Die meisten Menschen, denen eine dauerhafte Veränderung gelingt, haben vorher mehrere Anläufe hinter sich. Jeder dieser Anläufe hat etwas Neues zutage gebracht: mehr Selbstverständnis, mehr Wissen über die eigenen Trigger, ein feineres Gespür dafür, was tatsächlich hilft und was nicht. Die Summe deiner inneren und äußeren Ressourcen ist dadurch gestiegen. Diese bauen sich über die Zeit auf, auch wenn ein einzelner Versuch von außen wie ein Scheitern aussieht.

Das heißt für dich ganz konkret: Wenn du schon einiges probiert hast und wieder mit dem Trinken angefangen hast, bist du trotzdem nicht dieselbe Frau wie beim ersten Versuch. Du hast "nüchternes" Kapital aufgebaut, das im nächsten Anlauf wirkt – auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt. Du kannst dir das ungefähr so vorstellen wie beim Zinseszinseffekt. Du fängst klein an, und über die Zeit spürst du den Effekt.

Warum Begleitung in ein alkoholfreies Leben wirklich den Unterschied macht

Meiner Erfahrung nach gibt es noch einen entscheidenden Faktor, der eine sehr große Rolle spielt: jemanden an seiner Seite zu haben. Das kann eine Therapeutin sein, eine Beraterin, eine Mentorin – oder auch eine Gruppe. Entscheidend ist, dass daraus etwas entsteht, das dir Routine und Halt gibt, gerade in der Phase, in der dein unbewusstes System noch stärker ist als dein reflektierendes. Ich kann zu 100% sagen, dass ich heute nicht da stehen würde, wo ich stehe, wenn ich mir keine Hilfe gesucht hätte. Unterstützung hat mir dabei geholfen, mein eigenes Leben zu retten, mich verstanden zu fühlen, mir dabei zu helfen, mir selbst zu helfen, und vor allem endlich einmal alles auszusprechen, wofür ich mich vorher schuldig gefühlt und geschämt habe. Davon profitieren meine Klientinnen maßgeblich, und das ist auch das Feedback, das ich am häufigsten bekomme. Oftmals bin ich als Mentorin die erste Person, bei der sie sich trauen, zum ersten Mal über ihr Trinken zu sprechen, und sie machen die Erfahrung, dass ich es verstehen kann, dass ich sie nicht verurteile, dass ich ihnen helfe und dass ich an sie glaube, wenn sie das Gefühl haben, zu scheitern. Genau das hat mir auch geholfen, und ich würde mir immer wieder Unterstützung suchen.

Allein schon der Gedanke, sich jederzeit bei mir melden zu können, hilft meinen Klientinnen, dranzubleiben – oft, ohne dass sie diese Möglichkeit überhaupt in Anspruch nehmen mussten. Allein das Wissen, nicht allein mit einer schwierigen Situation zu sein, verändert etwas in dem Moment, in dem der Wunsch, Alkohol zu trinken, auftaucht. Es gibt dir einen zweiten Ankerpunkt außerhalb deines eigenen Kopfes.

Aufhören zu trinken: Was das für dich bedeutet

Wenn bei dir bisher noch mehr Wissen, noch ein weiteres Buch oder noch ein weiterer Podcast nicht gereicht hat, dann liegt das nicht daran, dass du irgendetwas falsch machst oder irgendetwas nicht verstanden hast. Es liegt daran, dass es oft einen bewussten Kontextwechsel und eine begleitete, strukturierte Auseinandersetzung braucht, um wirklich neue, stabile Verhaltensweisen aufzubauen, die langfristig Bestand haben.

Genau das ist der Kern meiner Einzelbegleitung: nicht noch mehr Information, sondern ein persönlich zugeschnittener Prozess, der genau an der Stelle ansetzt, an der du gerade stehst – mit allem, was du bereits weißt und schon ausprobiert hast. Damit du wirklich aufhören kannst, Alkohol als einzigen Lösungsweg zu sehen, und nicht immer wieder in denselben Rückfall-Kreislauf zurückfällst. Ich arbeite bewusst nur mit einer sehr begrenzten Anzahl Frauen gleichzeitig, ausschließlich eins zu eins, diskret und ohne Gruppen. Du möchtest mehr darüber erfahren?

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