Zwei fröhliche Frauen lachen gemeinsam und halten eine Torte in den Händen. Das Schwarz-Weiß-Foto steht für Gemeinschaft, Genuss ohne Alkohol und die Leichtigkeit eines selbstbestimmten alkoholfreien Lebens.

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Nein, du musst nicht für immer gegen den Alkohol kämpfen. Oder: Das Mantra des ewigen Verzichts

Musst du dein Leben lang gegen Alkohol kämpfen? Ich glaube nicht. In diesem Artikel erfährst du, warum das klassische Suchtnarrativ mich nie überzeugt hat, welche Rolle Neuroplastizität wirklich spielt und weshalb ein alkoholfreies Leben leicht, frei und unaufgeregt werden kann.

Warum funktioniert mein Leben ohne Alkohol für mich seit 9 Jahren ziemlich reibungslos und auch ziemlich leicht? Ich verrate dir mein Geheimnis, und ich bin mir absolut sicher, du wirst es mir erst mal nicht glauben. Warum? Weil es viel zu einfach ist, um wahr zu sein. It's stupid simple. Und als ich noch getrunken habe, habe ich selbst nicht daran geglaubt, dass es für mich so einfach sein wird, denn mir wurde etwas ganz anderes prophezeit. Nämlich, dass ich für immer kämpfen werde.

Nope. Stimmt nicht. Seitdem ich ohne Alkohol lebe, musste ich keinen einzigen Tag mehr kämpfen. Die Wahrheit ist, dieser elendige Kampf gegen mich selbst hat mit meiner Abstinenz endlich aufgehört.

Wie habe ich das gemacht? Ich habe nicht daran geglaubt, was mir das klassische Suchthilfesystem über meine alkoholfreie Zukunft vermitteln wollte. Ich habe meinen Verstand noch während meiner Therapie intuitiv mit einer anderen Wahrheit gefüttert.

Das war zugegebenermaßen nie mein großer Masterplan. Als ich noch getrunken habe, habe ich selbst nicht daran geglaubt, dass ein alkoholfreies Leben für mich funktionieren kann und das auch noch leicht. Ich dachte vielmehr, dass mit meiner Abstinenz mein ausgelassenes Leben vorbei sein wird. Ich bin durch all die Selbstzweifel und Schuldgefühle durchgegangen, die du möglicherweise auch kennst.

Zwei lachende Frauen halten gemeinsam eine Torte in den Händen und genießen einen unbeschwerten Moment ohne Alkohol. Das Schwarz-Weiß-Bild steht für echte Lebensfreude, Freundschaft und ein erfülltes alkoholfreies Leben.

But the point is: In mir wurde auf dem Weg in ein alkoholfreies Leben noch eine andere Seite wach. Die stille und leise Rebellion gegen ein veraltetes Narrativ. Ich war es einfach so unendlich leid, immer wieder derselben Aussage – nur in einer anderen Verpackung – begegnen zu müssen.

Mir begegneten immer wieder dieselben Sätze: Nur wenige schaffen es. Es wird hart sein. Sie werden für immer auf der Hut sein müssen. Sie werden für immer kämpfen müssen. Aber sie, Frau Mättig, sie werden es schon schaffen. Hat mich das motiviert? Jein.

Ich fand diese Aussagen ziemlich angsteinflößend und deprimierend. Ein Framework, das mich für den Rest meines Lebens als „trockene Alkoholikerin“ abstempelt, empfand ich nicht sonderlich reizend. Der Alkohol sollte zu meinem lebenslangen, stillen Begleiter werden, obwohl ich ihn gar nicht mehr trank. Er hat immer noch die Macht über dich. Du wirst ihn nie richtig los.

Wenn wir in der Gruppentherapie etwas sagen wollten, dann musste jede Patientin zunächst einmal ihren Nachnamen und dann ihre Abhängigkeit nennen. Immer wieder. Jeden Tag. Damit wir es ja nicht vergessen, weswegen wir eigentlich alle hier sind. Schon damals fand ich es absurd, dass ich das täglich mehrfach wiederholen musste, obwohl ich seit Wochen schon nicht mehr trank. Wie ein deprimierendes Mantra, was mir die Lust am alkoholfreien Leben nahm.

Neulich, unter einem Instagram-Beitrag zu der ZDF-37°-Dokumentation über mich und meine Geschichte entdeckte ich einen Kommentar einer Person, die sichtlich tief in genau diesem klassischen, deutschen Suchthilfesystem sozialisiert wurde. Dort stand es, schwarz auf weiß, als wäre es ein unumstößliches Naturgesetz:

„Bitte berichtigen. Niemand war alkoholabhängig, man ist es ein Leben lang. Das ist das Wichtigste, das hier nicht richtig kommuniziert wird.“

Ich habe diesen Satz gelesen, kurz innegehalten und spürte sofort diesen vertrauten Impuls in mir. Dieses starre Narrativ vom „lebenslangen Kampf“ stimmt einfach nicht für alle. Es stimmt nicht für mich. Es stimmt nicht für meine mittlerweile wirklich vielen Klientinnen. Es stimmt für viele Menschen in der nüchternen Bewegung nicht. Und damit will ich dieses Narrativ niemandem absprechen, dem oder der es hilft. Falls dem so ist, go for it. Aber falls es dich lähmt und dir Angst macht: forget about it!

Warum hält sich dieses Dogma vom ewigen Kampf so hartnäckig, obwohl es viele Betroffene eher hemmt als befreit? Das klassische Suchthilfesystem basiert in seinen Strukturen auf einem historischen Modell der 1930er Jahre: Sucht als eine chronische, unheilbare Krankheit. Das war damals ein Meilenstein, der vielen Menschen überhaupt erst einen geschützten Raum gegeben hat – so wie auch mir die Therapie vor neun Jahren wichtige Grundlagen geliefert hat. Die Akuthilfe in diesem System funktioniert und sie ist verdammt wichtig.

Das Problem ist nur: Diese Strukturen sind über Jahrzehnte hinweg so starr in unser System eingewachsen, dass sie eine sehr einseitige Sprache sprechen. Viele Kliniken und Beratungsstellen arbeiten noch immer nach Konzepten, die zwar für viele stabilisierend wirken, aber die „Grauzone“ dazwischen völlig ausblenden. Es gibt Menschen, die über die reine Abstinenz hinaus wieder zu einer echten, unbeschwerten Lebensqualität zurückfinden wollen, ohne sich dauerhaft über ihre Diagnose definieren zu müssen.

Genau hier liegt die Krux: Das System ist darauf ausgelegt, Sucht als lebenslange Aufgabe zu verwalten. Wenn man dann in der Gruppentherapie täglich dazu angehalten wird, die eigene Identität über den Nachnamen und die Abhängigkeit zu definieren, erzeugt das bei vielen eher einen mentalen Fokus auf das Problem, statt den Blick auf die eigene Selbstwirksamkeit und Gesundheit zu lenken.

Es ist ein strukturelles Festhalten an dem, was man seit Jahrzehnten kennt.

Man therapiert hier oft sehr erfolgreich in die Stabilisierung hinein, übersieht dabei aber den Schritt hinaus aus der Identität als „Kranke“. Man steckt in einem Narrativ fest, das den Fokus auf den Mangel und die ständige Gefahr legt, anstatt die Fähigkeit des Gehirns zur echten, tiefgreifenden Veränderung zu nutzen – die Neuroplastizität. Wir brauchen mehr Platz für den Weg in eine Identität, die nicht mehr vom Alkohol beherrscht wird, auch nicht durch das ständige Denken daran.

Alkoholfrei und abgestempelt

Jede, die in diesem Land aufhört zu trinken und eine Sucht bewältigt, soll bitteschön für den Rest ihres Lebens in der Defensive leben. Jede einzelne Sekunde. Bei jedem Grillabend, bei jedem Geburtstag, an jedem verdammten Feierabend um Punkt 17:00 Uhr. Bis zum letzten Atemzug. Man verlangt von dir, dass du das Weinglas zwar dankend ablehnst, aber dich Bitteschön dafür auch noch für den Rest des Lebens schämst, weil etwas anders ist mit dir. Weil du eben nicht zu den Personen gehörst, die ein Nervengift kontrollieren können. Also hast du zu verzichten und demütig zu sein.

Für mich stimmte dieses Bild einfach nicht. Von Anfang an nicht. Und nichts anderes wollte ich je für mein Leben erreichen.

Versteh mich an dieser Stelle nicht falsch: Ich verharmlose hier absolut nichts. Ich war jahrelang psychisch abhängig von Alkohol. Bis ich irgendwann die biologische Grenze überschritten habe und körperlich abhängig wurde. Mir wurde eine handfeste Alkoholabhängigkeit diagnostiziert, weil ich genau das hatte: eine handfeste, zerstörerische Abhängigkeit. Das ist der medizinische Fakt, an dem es überhaupt nichts zu rütteln gibt.

Aber was nach dieser Diagnose passierte, war nur die halbe Miete zur echten Selbstbestimmung. Es war die strategische, flächendeckende Konditionierung von Verzicht.

Ich erinnere mich noch genau an meinen damaligen behandelnden Arzt. Er saß mir gegenüber, schaute mich ernst an und erzählte mir düster die Geschichte seiner Nachbarin, die es schon seit Jahren vergeblich versuchte, vom Alkohol loszukommen, und immer wieder kläglich scheiterte. Er wollte mich damit irgendwie motivierend. Aber was in mir zurückbliebt, war pure Angst. So wollte ich auf gar keinen Fall enden.

In der Suchtklinik, am Ende einer monatelangen, intensiven Therapie, exakt dasselbe Spiel: Zum Abschied wurde mir erklärt, wie verschwindend gering der Prozentsatz derer ist, die nach dem Klinikaufenthalt tatsächlich langfristig nüchtern bleiben. Und wieder dieser bittersüße Nebensatz: „Aber Sie schaffen das schon, Sie sind ja stark.“

Das wollte ich für mich nicht glauben.

Die Rebellin in mir (und in dir)

Zum Glück – und ich meine wirklich: zum absoluten Glück – war ich schon immer eine Rebellin. Mein ganzes Leben lang. Wenn mir jemand gesagt hat: „Das geht nicht“, war mein erster Gedanke: „Finden wir's erstmal heraus.“ Diese tief sitzende Weigerung, mich blind vor verstaubten Systemen zu verbeugen, hat mich tatsächlich dazu geführt, dass ich heute diesen Artikel für dich schreibe und Frauen in ihre Selbstbestimmung - ohne Alkohol - begleite. Ich weigerte mich einfach, dieses kollektive Krankheits-Mantra der klassischen Suchthilfe zu rezitieren.

Die moderne Psychologie und Neurowissenschaft wissen längst: Die permanente, rituelle Wiederholung einer angenommenen Tatsache erschafft deine neuronale Realität. Wenn du dir jeden Tag aufs Neue sagst: „Ich bin krank, ich bin abhängig, ich muss aufpassen, ich muss mein Leben lang kämpfen, ich bin nur ein einziges Glas vom Abgrund entfernt“, dann zementierst du exakt dieses neuronale Gefängnis. Du machst die Sucht zu deinem primären Identitätsmerkmal.

Ich wollte nicht kämpfen. Ich wollte gesund sein. Ich wollte frei sein. Ich wollte ein schönes, leichtes, absolut lebenswertes und unaufgeregtes Leben führen, in dem diese Substanz schlichtweg überhaupt keine Rolle mehr spielt. Ich wollte mein Gehirn so weit umprogrammieren, dass der Alkohol an Relevanz verliert. Und genau das habe ich getan.

Mein alkoholfreies Leben ist das Beste, was ich je gelebt habe. Und ich musste keinen einzigen Tag gegen irgendwelche Suchtgedanken kämpfen. Das einzige, was ich sukzessive bis heute – mittlerweile 9 Jahre lang – durchziehe, und das absolut ohne Kompromisse: Ich glaube an mich.

Ich tue alles dafür, dass mein nüchternes Leben das beste ist, was ich leben kann. Es wäre komplett absurd für mich, wieder mit dem Trinken anzufangen, weil ich dann all das aufgeben müsste.

Neuroplastizität statt lebenslangen Kampf

Dass ein Leben ohne Alkohol kein lebenslanger, zermürbender Kampf sein muss, ist keine Frage von außergewöhnlichen Fähigkeiten, sondern das Resultat neuronaler Anpassungsprozesse. Die moderne Neurowissenschaft belegt über das Prinzip der richtungsabhängigen Neuroplastizität, dass das menschliche Zentralnervensystem kein statisches Gebilde ist. Es besitzt bis ins hohe Alter die Fähigkeit, sich als Reaktion auf veränderte Anforderungen strukturell und funktionell neu zu verdrahten.

Wenn Alkohol über Jahre hinweg als primärer Regulator für Stress, Belohnung oder emotionale Dysbalancen genutzt wird, formiert das Gehirn eine hocheffiziente, neuronale Datenautobahn. Sobald ein Trigger wie „Feierabend“ oder „Überforderung“ auftritt, feuert das System den gelernten Autopiloten ab. Versucht man nun, diese tief verankerte Gewohnheitsschleife rein über kognitive Anstrengung und Verbote zu blockieren, bleibt die zugrundeliegende neuronale Architektur im Gehirn intakt. Du veränderst nicht die biologische Struktur, sondern hältst unter massivem Energieaufwand lediglich das Verlangen zu trinken aus. Genau das erzeugt das Gefühl in dir, gegen den Alkohol kämpfen zu müssen.

Effektive neurobiologische Regulation setzt an der Wurzel an, indem sie diesen Pfad dekonstruiert. Durch den gezielten Einsatz neuer Strategien und Verhaltensmuster – wird das vegetative Nervensystem in akuten Stressmomenten direkt herunterreguliert. Bleibt die gewohnte Aktivierung der alten neuronalen Bahn über einen längeren Zeitraum aus, setzt im Gehirn eine natürliche Umstrukturierung ein. Das Nervensystem stabilisiert die neuen, gesundheitsfördernden Regulationswege durch kontinuierliche Wiederholung.

Nach 9 Jahren hat mein Gehirn die kompensatorische Verknüpfung zwischen Stress und Alkohol schlichtweg verkümmern lassen. Ich habe immer wieder neue Strategien der Stressregulation angewandt, sodass mein Gehirn Entlastung nicht mehr mit Alkohol verknüpft, sondern mit gesunden Alternativen.

Frau blickt entspannt aus dem Autofenster und trinkt ein alkoholfreies Getränk durch einen Strohhalm. Das Retro-Bild symbolisiert Freiheit, Selbstbestimmung und ein leichtes Leben ohne Alkohol.

Die Entzauberung einer fucking Substanz: Gib dir deine Würde zurück

Eines will ich der Vollständigkeit halber noch hinzufügen: Ja, ich kann Alkohol nicht kontrollieren. Ich werde ihn niemals kontrollieren können. Das wird für immer so bleiben. Für mich klingt es heute völlig absurd, versuchen zu wollen, ein Nervengift zu kontrollieren. Why should I try in the first place? Wenn ich heute Abend ein Glas Wein trinken würde, wäre ich innerhalb kürzester Zeit wieder exakt in derselben Suchtspirale gefangen wie vor neun Jahren. Das ist ein Fakt.

But the fucking point is: Ich will diesen Stoff überhaupt nicht mehr. Warum sollte ich etwas wollen, was mir meine Lebensqualität, meine Gesundheit und meine Freude am Leben nimmt? Ich habe für mich den Alkohol entzaubert. No spark left at all.

Anstatt den Menschen permanent einzureden, dass sie das lebenslange, fehlerhafte Problem sind, dass sie „für immer chronisch krank“ sind und gefälligst in ewiger Demut und Scham leben müssen, sollten wir doch viel eher diese fucking Substanz komplett auseinandernehmen. Wir müssen aufhören, den Alkohol als das ultimative Elixier für Geselligkeit, Genuss, Kultur und Entspannung zu inszenieren, und stattdessen den betroffenen Menschen ihre verdammte Macht, ihre Autonomie und ihre Würde zurückgeben! Ihnen sagen, dass sie es schaffen können. Ihnen Mut machen. Sie Sätze wiederholen lassen, die sie bestärken. Dafür bin ich. Dafür stehen ich und meine Arbeit.

Wenn gerade Frauen nüchtern werden wollen und zu mir in die Begleitung kommen, dann sind sie meistens schon komplett am Ende ihrer mentalen Kräfte. Sie sind voller Schuldgefühle. Sie fühlen sich unsicher und zutiefst verletzlich. Warum in aller Welt sollte ich als Mentorin noch zusätzlich Salz in diese offene Wunde streuen? Warum sollte ich sie einschüchtern oder ihnen mit Sätzen wie „Du wirst dein Leben lang kämpfen müssen“ den letzten Funken Hoffnung rauben? Das ergibt für mich absolut keinen Sinn.

Meine persönliche Statistik aus jahrelanger Praxis spricht eine völlig andere Sprache. Meine Klientinnen profitieren massiv davon, dass ich sie bestärke. Dass ich felsenfest davon ausgehe, dass sie es schaffen. Dass ich ihnen Mut mache, sich ein tolles Leben zu gestalten, in dem Alkohol einfach keine Rolle mehr spielt. Ich baue keinen Druck auf, denn das ist das Letzte, was sie brauchen.

Ich zeige diesen Frauen, was sie gewinnen. Ich helfe ihnen dabei, ihren Körper wieder in Balance zu bringen und eine unaufgeregte, stolze Identität als selbstbestimmte Frau zu errichten, die schlichtweg zu anspruchsvoll für vergorenen Traubensaft ist.

Die Vorstellung, dass du ein Leben führen kannst, ohne jemals wieder sehnsüchtig über Alkohol nachdenken zu müssen, ist das befreiendste Gefühl überhaupt. Du bist nicht das Problem. Du wurdest lediglich von einer hochgradig süchtig machenden Substanz und einer milliardenschweren Marketingindustrie manipuliert. Sobald du das durchschaust, kannst du deine Krone richten, aufstehen und für dich einstehen. Du musst deine Persönlichkeit nicht für den Rest deines Lebens von einer Substanz abhängig machen, die dir dein kostbares Leben versauen wollte.

Wenn du das willst, dann ist Nüchtern & Gesund™ für dich. Deine Strategie, um dir deine eigene Selbstbestimmung zurückzuholen.


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